3.WasserSymposium

am WeltWasserTag 22.März 2025 in Landsberg am Lech

Inspirationen sich mit dem Wasser in unserer Landschaft und in uns zu verbinden.

Kurze Impulse zur aktuellen Lage am Lech, zu ‚wie Wasser unsere Landschaft durchtränkt und prägt‘ als entscheidender Klimafaktor bis hin zu Wasser als Grundlage für unsere Gesundheit münden in gemeinsame Dialogräume. Auch die Ergebnisse der vorangegangenen WasserSymposien fließen ein. Alles in einer sachlichen und künstlerischen Art und Weise, die für das Landsberger Wassersymposium schon zum Markenzeichen geworden ist.

In unserem  YoutubeKanal Wasser-singingplanet finden Sie jeweils 3 Videos vom 2. und 3. Wassersymposium!

„Wasser und das Gedächtnis der Landschaft“ sowie später „Quellen im Wasserkreislauf“ (2 Impulsvorträge)

Deutschland ist Quellenland. Kaum irgendwo sonst haben Quellen einen solchen Einfluss gehabt – und haben ihn immer noch: auf Kultur und Gesellschaft, auf Spiritualität und Ökologie. Quellen sind die Synapsen im Gedächtnis der Landschaft. Machen Sie sich auf überraschenden Einsichten gefasst!

Martin Rasper Geologe und Journalist

„Die Transformationen des bayerischen Lechs – Vom Wildfluss zum ‚Cyborg'“

Der bayerische Lech ist ein transformiertes Gewässer. Der einstige Wildfluss hat durch vielschichtige und tiefgreifende menschliche Eingriffe einen Gestaltwandel vollzogen. Der Lech wurde begradigt, Querbauwerke wurden errichtet und letzten Endes wurde der Fluss auf radikale Weise zum Energielieferanten ausgebaut. Heute ist der Lech ein „Cyborg“ – ein Hybridgewässer bestehend aus organischen und technischen Bestandteilen. Doch seit einiger Zeit regt sich Widerstand und Planungen für eine ökologische Aufwertung des Gewässers haben begonnen.

Matthias Settele wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZU (Wissenschaftszentrum Umwelt) und am Lehrstuhl für Humangeographie und Transformationsforschung der Universität Augsburg. 

„Wie sieht Deine Quelle aus?“ selbst künstlerisch werden

Was ist die Qualität Deiner Quelle? Wer möchte kann auf dem Maltisch mit verschiedenen einfachen Techniken aktiv werden! Wir wünschen uns ein Heraustreten aus der „Linearität“ und „Begradigung“ unseres Seins und Eintreten in die Wiederverbindung. Wasser“arbeit“ ist Friedensarbeit.

Cathrine Hölzel  künstlerischer Input

Mord im Fischteich? Wasserkrimmi

NAJU-Jugendgruppe KATZENAUGEN im LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz)

Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren haben eine Krimigeschichte gespielt, fotografiert und mit Texten versehen. Interessante Infos fließen mit ein. Seid gespannt auf den Täter. 

Eine Powerpoint mit Wahrheit, Fiktion und Augenzwinkern.

WeltWasserTag 2025: WasserWoche und 3. WasserSymposium … aus der Quelle bis in jede Zelle hinein! Wasser in unserer Landschaft

von Daniel Bogner-Haslbeck

Eine Woche voller Wasser, organisiert von Singing Planet sowie Engagierten der Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe Landsberg am Lech: Insgesamt wurden 35 Veranstaltungen angeboten, mit über 1.000 interessierten Gästen. Eine Zigarettenkippen-Sammelaktion in der Altstadt der Initiative CleanUp LL und eine Stadtführung „Wie hat Wasser unsere Stadt geprägt“ bildeten den Auftakt. In der Christuskirche wurde ein ökumenischer WasserGottesdienst zu dem Thema „Von der Quelle bis in jede Zelle“ durchgeführt. Die Omas for Future Gründerin Cordula Weimann stellte ihr Buch „Omas For Future – Handeln! Aus Liebe zum Leben“ vor. Die Ausstellung „Aquarelle der im Forggensee versunkenen Illasschlucht“ von Rudolf Schwiersch im Klostereck machte lebendig, wie sie die Menschen am Lech in und um Roßhaupten vor der massiven Umgestaltung des einstigen Wildflusses erlebt haben.

Versöhnung von Ökologie und Ökonomie am Lech: Unser Lech ist zu einer Kette von Stauseen geworden. Schlecht für die Ökologie, gut für die Energiegewinnung. Nachdem ab dem Jahr 2034 die Lizenzen für die Kraftwerke auslaufen, gäbe es die Möglichkeit, sie zurückzukaufen und einige Kraftwerke zu ökologisieren. Ein Beispiel, wie das aussehen könnte, wurde im Klostereck aufgebaut. Die Planungen wie der Bau eines neuen Wasserkraftwerks durch Uniper bei Augsburg sowie die hohen Investitionen in Fischtreppen, welche viele Probleme, wie mangelnde Möglichkeiten für den Fischabstieg oder Geschiebetransport des Lechs, unbeantwortet lassen, waren wichtige Diskussionsthemen.

Was ist ein Gewässerentwicklungskonzept? Wie erfolgt die Planung, wie kommt es von der Planung zur Umsetzung? Das Wasserwirtschaftsamtes Weilheim lieferte Antworten. Kreis- und neu gegründete Ortsgruppe des BUND Naturschutz brachten ihr Wissen mit ein.

Die Uraufführung des Stücks „Unser Lech – wild, gezähmt und einzigartig?“ war eine mitreißende, berührende und aufrüttelnde Veranstaltung über den heutigen Lech und seine Zukunft. Die drei Frauen Doro Heckelsmüller, Monica Calla und Patrizia Majowski musizierten, dichteten und informierten über diesen einzigartigen alpinen Fluss. 

Der WeltWasserTag 2025 bot ein vielfältiges Rahmenprogramm, von früh bis spät. Auftakt bildete der Vortrag „einfach Kneipp“ mit den 5 Elementen des kneippschen Naturheilverfahrens im Klostereck. Beim anschließenden FlussSingen wurde ein „singendes Flussbett“ geschaffen. Das FlussSingen von Doro Heckelsmüller ist ein Aufruf und eine Antwort auf die Botschaften vieler indigener Völker, welche für die weltweiten Wassersysteme beten und singen: Lasst uns singend unsere Flüsse feiern!

Im Anschluss stellte Matthias Settele seine Forschungsarbeit zur „Transformation des bayerischen Lechs: Vom Wildfluss zum Cyborg“. Matthias Zettele führte das Publikum zu den Ursachen für die historische Begradigung des Lechs.

Die Leitungswasser-Enthusiastin Silke Meusel vom a tip: tap e. V. appellierte an das Publikum zum Leitungswassertrinken! Der größte Mikroplastikanteil, der in unserer Umwelt landet, geschieht durch den Reifenabrieb. Das kann selbst durch Mehrweg-Glas-Mineralwasserflaschen, welche im Elektro-Lkw transportiert werden, nicht verhindert werden. Wenn alle Deutschen auf Leitungswasser umsteigen würden, können zudem rund drei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, also 1,5-mal so viel wie der innerdeutsche Flugverkehr! Im Schnitt spart ein 4-Personen Haushalt durch einen Umstieg von Flaschen- auf Leitungswasser zudem jährlich 1.000 €.

Die Stadtbaumeisterin Annegret Michler sprach über Stadtentwicklung als evolutionärem städtischen Wandlungsprozess. Sie stellte fünf Ansätze für Städte dar: Die schöne Stadt, die geplante Stadt, die werbende Stadt, die sich wandelnde Stadt sowie die kompetente Stadt. Annegret Micheler sprach von der Idee, Bäche in Städten künftig auch als Wege zu nutzen, im Sommer barfuß darin laufend, anstelle von heißem Pflaster oder geteerten Wegen. Viele schnelle, einfache und günstige Projekte sind es, die Stadtwandel ermöglichen. In Weilheim wurde die Weilheimer Charta für nachhaltigen Wohnungsbau inklusive einer Checkliste erarbeitet. Solche Leitlinien könnten auch für Landsberg entwickelt werden. Jeder Mensch kann sich, nach dem Motto „gestalten, nicht nur verwalten“, fragen und einbringen: Was kann ich in meiner Kommune tun oder verändern? 

In einer Reflexion zum Anschreiben von Entscheidungsträgern gab Stefan Kraus einen Einblick, wie politische Volksvertreter mit Fragen vom 2. WasserSymposium umgegangen sind. Basis war eine Vielzahl an brisanten Fragen, welche vor einem Jahr mit interessierten Bürger*innen erarbeitet wurden. Eine (inhaltliche) Antwort kam nur von vier Ämtern zurück. Eines schienen die meisten Behörden gemeinsam zu haben: Nur keine öffentlichen Aussagen treffen zu politisch schwierigen Themen! Schade, bedauerlich und manchmal ein Gefühl der Ohnmacht erzeugend. Dennoch oder gerade deshalb machte Stefan Kraus klar, dass es weiter geht und wir uns alle nicht entmutigen lassen sollten!

Was ist eine Quelle? Martin Rasper sprach über Quellen des Wasserkreislaufs. Quellen waren schon immer heilige Orte für viele Kulturen. So ist es nicht verwunderlich, dass über zahlreichen Quellen Kapellen errichtet wurden. Die Botschaft von Martin Rasper ist: Quellen müssen fließen! Lassen wir sie fließen!

Generationenvertrag – Wasser in unserer Landschaft halten dank fruchtbarer Waldböden: Revierförster Ludwig Pertl machte klar, dass aufgrund von Klimawandel, Wasserkreisläufen und Bodengesundheit ein Paradigmenwechsel in der Bewirtschaftung von Wäldern und Flächen unumgänglich ist. Der Landkreis Landsberg besitzt mit ca. 25.000 Hektar rund 10 % weniger Waldanteil als der bayerische Durchschnitt. Die Stand heute als kostenlos angesehenen Ökosystemleistungen von Wäldern wie der Kühleffekt, sowie die Produktion sauberer Luft liegen damit bei einem monetären Wert von 20 Milliarden Euro. Der Wald wird jedoch ausschließlich nach dem Holzpreis bewertet. Nach diesem ist der Wald nur 20 Millionen Euro wert.

Das Olympia Kino beteiligte sich mit zwei Filmbeiträgen: „Holy Shit“ – Ist unser Kot Abfall oder eine Ressource? Eine investigative und unterhaltsame Suche nach Antworten durch 16 Städte auf 4 Kontinenten. Der Filmemacher Thomas Häring zeigte seinen Film „Der Forggensee – ein neuer See im alten Bett“. In einer Symbiose von Poesie und Dokumentation erzählt dieser Film die außergewöhnliche Geschichte vom Werden und Vergehen eines Sees, der zweimal geboren wurde. Der Film wird am Sonntag, 30.03 um 15:30 nochmals gezeigt.

Wie bereits zum 2. WasserSymposium im Vorjahr wurde abends nochmals richtig für Stimmung gesorgt im Lechsaal: Der Kreisheimatpfleger und Tanzmeister Magnus Kaindl und das „Landlerdelirium“ führten alle Anwesenden durch einen freudigen Abend voller Schwung.

In diesem Jahr stehen noch weitere Programme an: So die Blue-Ranger-Ausbildung, viele Flusssingen und der Big Jump in den Lech. Das Organisationsteam der WasserWoche wird nicht locker lassen, unsere Blue Communities Stadt und Landkreis Landsberg am Lech zu unterstützen und kritisch zu begleiten.